Dr.-Negatsch-Platz in Burg
Zum Jubiläum 20 Jahre Deutsche Einheit wird es nun einen Dr.-Negatsch-Platz in Burg geben
Stadtrat Burg beschloss mehrheitlich Namensgebung zum Jubiläum 20 Jahre Deutsche Einheit
Auszüge aus der Rede des Stadtratsvorsitzenden Markus Kurze zur Begründung des Beschlussvorschlages:
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Rehbaum,
werte Stadträte,
20 Jahre Deutsche Wiedervereinigung und ein Leben in Frieden und Freiheit. Es gibt Menschen, die haben ihr Leben lang dafür gekämpft. Viele Bürger haben sogar mit ihrem Leben bezahlt.
Seit dem Untergang der Weimarer Republik gab es Menschen in Deutschland, die sich mit den totalitären Systemen und Diktaturen nicht einverstanden erklärten, die in Freiheit und in Selbstbestimmung leben wollten. Zu ihnen gehörte Dr. Adolf Negatsch.
Er wurde am 24.11.1904 in Oberschlesien in Fährendorf Krs. Cosel geboren. Seine Eltern waren Bauern und seine Mutter außerdem noch Hebamme. Er verlor als Kind seine Eltern bei einem Brand. Nach dem Gymnasium arbeitete er in der Landwirtschaft und als Bergarbeiter, später studierte er an der Breslauer Universität Rechts- und Staatswissenschaft und promovierte. Bis 1933 arbeitete er als Rechtsanwalt in Gradenfeld in Oberschlesien.
Als überzeugter Katholik und Mitglied der Zentrumspartei erhielt er nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten keine Zulassung als Rechtsanwalt mehr, da er sich als Gegner des Nationalsozialismus zeigte. Er engagierte sich daraufhin in der Widerstandsbewegung und arbeitete im Nationalkomitee „Freies Deutschland“ mit.
Unmittelbar nach Kriegsende kam er nach Burg. Von der sowjetischen Kreiskommandantur erhielt er die Anweisung, die Justizverwaltung im Kreis Burg wieder aufzubauen. So bekleidete er ab 1945 die Position des Oberamtsrichters. In Burg und im Kreis Jerichow I war Dr. Adolf Negatsch einer der Initiatoren zur Gründung einer neuen demokratischen Partei, der CDU.
Bei den Landtagswahlen 1946 wurde er im Wahlkreis II (Kreis Jerichow I/Burg) neben Clara Schwab (SED) direkt in den ersten sachsen–anhaltischen Landtag gewählt. Er gehörte zum Ausschuss für Rechts- und Verfassungsfragen. Dr. Adolf Negatsch war einer der wesentlichen Organisatoren des Widerstands innerhalb der CDU–Landtagsfraktion gegen die Gründung der DDR und die Anerkennung der Regierung. Die Forderung nach Freien Wahlen war für ihn dabei maßgeblich.
Er blieb mit acht Kollegen der Abstimmung im Landtag im Oktober 1949 fern. Danach wurde er Opfer maßloser Hetze in der SED–Presse, wurde persönlich beschimpft, bedroht und zur Niederlegung der öffentlichen Ämter gezwungen. Durch die Aberkennung des Landtagsmandats verlor er den Schutz der Immunität und musste 1950 in den Westen flüchten. Er lebte danach in Berlin–Tempelhof und war als „Politischer Flüchtling“ anerkannt worden.
Zahlreichen Bürgern aus Burg und dem LK Jerichow I verhalf er über West-Berlin in die Freiheit. Dadurch wurden er Zielscheibe der Staatssicherheit der DDR. Das Ministerium für Staatsicherheit (MfS) versuchte am 29. oder 30. Oktober 1954, am 4. und 5. Februar 1955 und am 8. März 1957 Negatsch aus West-Berlin zu entführen.
Da Negatsch als Amtrichter und aufgrund seiner politischen und beruflichen Tätigkeit zu einer Person öffentlichen Interesses wurde, stellte das MfS am 6. März 1961 die Überwachung endgültig ein.
Am 12. Juli 1992 starb Dr. Adolf Negatsch im Alter von 88 Jahren in Berlin–Tempelhof. Er hinterließ seine Frau Lucie in Berlin und seinen Sohn Wilfried in Rüsselsheim.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
es ist geradezu unsere moralische Pflicht, als Teil der Demokratie in der wir heute leben, in unserer politischen Arbeit an die Vergangenheit zu erinnern. Die dunklen Kapitel deutscher Geschichte dürfen sich nicht wiederholen und Menschen, die uneigennützig für Freiheit und unsere Mitbürger engagiert haben, haben es auch verdient, dass wir heute an sie erinnern!
Ich finde es schade, dass es politische Verantwortungsträger gibt, die scheinbar keine eigenen Ideen haben. Die es aber immer wieder schaffen, mit Fingern auf andere zu zeigen und sich in den Vordergrund drängen, in dem sie gegen etwas sind.
Es ist ja einfach Unterstellungen öffentlich zu propagieren und Neid zu schüren. Dieses Prinzip hatte schon einmal System und genau deshalb sollten wir an Menschen erinnern, die dies nicht mit sich machen ließen….
…Ich würde mich freuen, wenn die Demokraten in diesem Hause heute gemeinsam diesen Beschluss fassen. Vielleicht gibt es ja zukünftig weitere Vorschläge um an herausragende Persönlichkeiten der Zeitgeschichte oder aus Burg und dem Landkreis, aufgrund ihres persönlichen Wirkens zu erinnern?
Ich verstehe den heutigen Beschlussvorschlag als Auftakt, um heute unter der Überschrift „20 Jahre Deutsche Einheit – 20 Jahre Demokratie in Burg“ den Dr.-Negatsch-Platz ins Leben zu rufen.
Weitere Benennungen könnten folgen. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass Bürger an mich herantraten und mich als Ratsvorsitzenden in meiner Initiative bestärkten und gleichzeitig Vorschläge für weitere Namensgebungen vortrugen.
Ich möchte im nächsten Jahr den Vorschlag unterbreiten, mit einer Namensgebung an das Leben und Wirken unseres Verhaltensforschers Dr. Heinz Meynhardt zu erinnern.
Daher habe ich nach § 8 der GO einen Zusatzantrag für die Beschlussvorlage vorbereitet:
Der Stadtrat beschließt die Benneung eines Platzes „Dr.-Negatsch-Platz“…und beauftragt die Stadtverwaltung, bis zur nächsten Stadtratssitzung alle Plätze oder Straßen aufzulisten, welche auch eine Namensgebung erhalten könnten, um im Jahr 2011 bis zum 22. Todestag des Verhaltensforschers Dr. Heinz Meynhardt eine weitere Namensgebung vorzubereiten.“
Wenn wir so erreichen, dass unsere Arbeit im Rat transparenter wird und sich die Bürger beteiligen, dann haben wir doch in unserem gemeinsamen Ziel, der Stärkung der Demokratie, schon etwas erreicht….
Mit 18 Ja-Stimmen (CDU, FDP, FreieWähler/Endert, Einzelbewerber Dr. Wolfgang, Freie Wähler Burg/Erik Stefan) und 14 Nein-Stimmen (LINKE & SPD) & 1 Enthaltung (Bürgermeister J. Rehbaum) wurde der Beschlussvorschlag nach einer teilweise emotionalen Debatte mehrheitlich angenommen.
Damit wird es in Burg einen Negatsch-Platz geben. Wenn der Stadtrat es beschließt, wird es zum 22. Todestag des Burger Verhaltensforschers Dr. Heinz Meynhardt eine weitere Platzbenennung geben.
Somit wird an das Wirken von Dr. Adolf Negatsch von 1945 bis 1950 in Burg erinnert. Der Kampf für Demokratie und die Hilfsbereitschaft zeichneten den Freund Konrad Adenauers während seines gesamten Lebens aus. Nicht nur der jungen Generation müssen wir immer wieder deutlich sagen, dass wir heute in Freiheit und Frieden leben können, ist eine Errungenschaft von aufrechten Menschen unserer Heimat.
Kontakt zum Bürgerbüro
- Magdeburger Str. 11
39288 Burg - (0 39 21) 72 78 53
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